WM-Auftakt in Russland

Westeuropa verzichtet auf die Reise zur WM nach Russland

, von  Laura Baum

Westeuropa verzichtet auf die Reise zur WM nach Russland
Fußball-WM in Russland: Für einige europäische Politiker*innen ist der Boykott ein unverzichtbares politisches Signal. Foto: Gellinger Pixabay / CC0 1.0 Universell

Aus der entstandenen unangenehmen politischen Situation zwischen der EU und Russland heraus entscheiden viele EU-Länder, die in Russland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft zu boykottieren

Die politische Situation zwischen Russland und dem Westen ist angespannt. Zu Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft ist der russische Präsident Wladimir Putin wieder an der Macht. Doch immer mehr westliche Politiker verzichten auf einen Besuch des Sportereignisses, das in der Russischen Föderation stattfindet. Island und Großbritannien sind fest entschlossen, die Weltmeisterschaft zu boykottieren. Die Lage spitzt sich auch dadurch zu, dass europäische LGBTI-Personen sich vor einer Reise nach Russland wegen der möglichen Verstöße gegen das Gesetz fürchten.

Weder britische Königsfamilie noch Politiker besuchen die WM

Mitte März 2018 hat die britische Premierministerin Theresa May bekannt gegeben, dass sowohl britische Politiker als auch Königsfamilie in diesem Jahr die Weltmeisterschaft nicht besuchen werden. Der britische Außenminister Boris Johnson verglich sogar die kommende WM in Russland mit den Propagandaspielen der Zeit des Nationalsozialismus im Jahr1936: „Ich denke, dass der Vergleich mit 1936 durchaus richtig ist“, sagte Johnson, da Russland die WM auf ähnliche Art und Weise für seine Zwecken einzusetze“ was Adolf Hitler damals getan habe.

Island war das erste Land, das der Weltmeisterschaft in Russland den Boykott erklärt hat. Nach dem Giftanschlag auf den Doppelagenten Skripal haben isländische Politiker auch auf die Reise nach Russland verzichtet.

Und Deutschland?

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, dass es keine Gründe zu einem Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft gäbe. Man solle vor allem den Fall gründlich aufklären. Trotzdem zeigen viele EU-Länder Solidarität mit Island und Großbritannien. Italienische, niederländische und polnische Abgeordnete haben sich ebenfalls für einen Boykott gegen Russland entschieden.

Sicherheit von LGBTI-Menschen bei der WM

Die politische Auseinandersetzung zwischen Wladimir Putin und den Vertretern von EU-Länder ist nicht die einzige Ursache für Boykottmaßnahmen und Unsicherheit. Das kontroverse russische Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ wurde zu einem wichtigen Hindernis für den Besuch oder eben den Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft. Deutsche LGBTI-Personen äußern bereits im Vorfeld Bedenken, dass sie sich in Russland unsicher fühlen können. Bekanntlich sind in Russland LGBTI-Veranstaltungen sowie LGBTI-Symbolik gesetzlich verboten und viele homosexuelle Fußballfans haben davor Angst, verhaftet zu werden. So hat im Jahre 2014 während der Olympischen Spiele das Putin-Regime viele LGBTI-Aktivisten und Menschenrechtler festgenommen. Um Fußballfans zu beruhigen, hat der russische Nationalspieler Alexei Smertin vergesichert, dass niemand für die Äußerung der Gefühle bestraft werde.

Außerdem ist in Russland das Problem der Gewalt gegen sexuelle Minderheiten sehr akut. Vor einigen Jahren verübten russische Neonazis Gewalttaten gegen homo- und transsexuelle Fußballfans. Die Organisation FARE (Footbal Against Racism in Europe) empfiehlt den LGBTI-Fans, vorsichtig zu sein. In Russland ist es gefährlich, über sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit zu sprechen oder Gefühle zu zeigen

Vor all diesen Hintergründen lässt sich die Reaktion einiger EU-Staaten, die WM zu boykottieren, durchaus verstehen. An einer einheitlichen europäischen Linie fehlt es trotzdem. Wird Putin ein Kompromiss eingehen, um die Situation zu verbessern und damit die Unterstützungen der Teams von Italien, Island und Polen durch deren Abgeordnete im Stadion zu sichern? Das ist eher unwahrscheinlich.

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